Der Rahmen, in dem die Internationale Paul-Preuss-Gesellschaft (IPPG) am Samstag, den 25. September 2026 den Paul-Preuss-Preis an den slowakischen Spitzenkletterer Igor Koller verliehen hatte, hätte repräsentativer nicht sein können: Zum Auftakt der Internationalen Bergtage in Wien überreichte IPPG-Obmann Joe Bachler die Skulptur von Paul Preuss im Sitzungssaal des Stadtsenats im Wiener Rathaus an Igor Koller, der damit der 14. Preisträger dieser inzwischen sehr renommierten Auszeichnung ist.
In deiner Laudatio würdigte der Bergführer und Psychologe Jan Mersch den Preisträger und hob hervor, dass Igor mit seiner Begeisterung Nationen und Generationen verbunden habe. Seine Erstbegehungen seien «für Wiederholer auch heute noch höchst anspruchsvoll». Igor Koller verdiene «wirklich Anerkennung und Bewunderung für seinen Einfluss in der Bergsteigerszene», so Jan Mersch. «Über so viele Jahrzehnte aktiv und klar zu sein, das ist einzigartig». Der heute 74-Jährige, der seit fünfzig Jahren mit seiner Edita verheiratet ist (aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor), kletterte im Sandstein und in der Tatra «unzählige schwerste Routen,» aber auch in den Westalpen, im Bergell und an der Marmolada. Zu seinen physischen Kräften hob der Psychologe Jan Mersch auch die psychischen Fähigkeiten Kollers hervor. Besonders erwähnte Mersch die Erstbesteigung der «Edge Of Kalamarska» im Sandstein von Teplice 1971 und die Route «Fisch» in der Marmolada 1981 und, 2016, «mit 64 Jahren» «The Nose» am Capitan. Diese Edge of Kalamarska war damals, so Jan Mersch, lange die schwerste Route und für Igor bis heute sein persönliches Highlight, weil es ihm psychisch wie physisch «einhundertzehn Prozent» abverlangt habe und eine tiefe emotionale Erfahrung gewesen sei. «Der ‚Fisch‘ 1981 war wild und gewagt, hatte aber vor allem Bedeutung für Diskussion, Einfluss, Ethik in den Alpen – bis heute.»
Zuvor hatte Joe Bachler, der Obmann der Internationalen Paul-Preuss-Gesellschaft, im Wesentlichen Igor Kollers Leichtigkeit im Klettern und seinen Einfluss auf Ethik, Diskussion und Verständigung betont. Die Dankesworte von Igor Koller bestätigten sein von der IPPG gewürdigtes Lebenswerk: Gemeinschaft, Ehrlichkeit, Demut, Respekt und Freude am gemeinsamen Leben in seiner und seiner Freunde Leidenschaft, dem Klettern. Was die IPPG in ihrer Entscheidung, Igor Koller den Paul-Preuss-Preis zu verleihen, erneut bestätigte.
In seiner Laudatio hatte Jan Mersch auch den Einfluss Igor Kollers auf die nationalen und internationalen Kletterorganisationen sowie dessen vielbeachteten Vorträge und die Teilnahme an Diskussionen über die Ethik des Bergsteigens hervorgehoben. In diesem Sinne wünschte Jan Mersch seinem Freund noch viele weitere Klettererlebnisse – ein Wunsch, dem sich auch der Obmann der Internationalen Paul-Preuss-Gesellschaft, Joe Bachler anschloss, der Koller unter großem Beifall der rund hundert Gäste im prächtigen Sitzungssaal des ebenso prächtigen Wiener Rathauses den Preis überreichte.
Zu Beginn sahen die Gäste den Film von Lutz Maurer aus der ORF-Sendung «Land der Berge» über Paul Preuss, den Hanspeter Eisendle kommentierte. In einem «Bühnengespräch» machten sich die Spitzenkletterer Gerlinde Kaltenbrunner, Barbara Zangerl (Preisträgerin 2025) und Alexander Huber (Preisträger 2017) Gedanken über den Alpinismus, die im Rahmen der von der ÖAV-Sektion Austria und den Naturfreunden Wien veranstalteten Internationalen Bergtage Wien am nächsten Tag im Vereinshaus der Sektion Austria fortgesetzt wurden.
Hans Helmberger / 27.09.2026
Bild 1: Igor Koller mit dem Preis, einer Büste von Paul Preuss, geschaffen von dem Siegsdorfer Künstler Walter Angerer der Jüngere.
Bild 2: Im Sitzungssaal des Wiener Rathauses freuen sich neben Igor Koller auch Laudator Jan Mersch (links) und IPPG-Obmann Georg Joe Bachler.
Fotos: Alois Furtner








